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Demenz: Ursachen und Hintergründe!
Eine Information für Angehörige und Patienten

Was bedeutet Hirnleistungsschwäche oder Demenz?
Erkrankungen, die mit einer fortschreitenden Hirnleistungsschwäche einhergehen, werden in der Fachsprache auch “Demenzen” genannt. Dieser Begriff leitet sich vom lateinischen “dementia” ab, was soviel wie “Unvernunft” bedeutet. Bei der Erkrankung sterben Hirnzellen ab, vor allem in der Hirnrinde. Dieser Zelluntergang stört die geistige Leistungsfähigkeit des Betroffenen. Das Gedächtnis, die Urteilsfähigkeit, die Sprache und das räumliche Vorstellungsvermögen sind beeinträchtigt.
Demenzerkrankungen treten hauptsächlich in der zweiten Lebenshälfte des Menschen, meist erst jenseits des 65. Lebensjahres, auf.
Zu Beginn dieses Jahrhunderts spielten aufgrund der deutlich niedrigeren Lebenserwartung Erkrankungen dieser Art nur eine untergeordnete Rolle. Durch die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten mit Antibiotika und verbesserte Hygienemaßnahmen werden Menschen heute deutlich älter als noch Mitte dieses Jahrhunderts. Deshalb erlangen die chronischen Krankheiten und unter diesen die Erkrankungen mit fortschreitendem Abbau von Hirngewebe eine zunehmende Bedeutung. Das höhere Risiko für solche Erkrankungen ist sozusagen der Preis für die gestiegene Lebenserwartung.
In der Bundesrepublik Deutschland sind zur Zeit etwa 21 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre; damit gehört etwa jeder fünfte dieser Altersgruppe an. Im Jahre 2030 wird jeder dritte älter als 60 Jahre sein. Heute leiden immerhin schon
· von den 60jährigen 1 Prozent,
· von den 80jährigen 20 Prozent und
· von den 90jährigen 33 bis 50 Prozent an Demenz.
Berücksichtigt man gleichzeitig, dass die Zahl der Demenzerkrankungen mit steigendem Alter stark zunimmt, so wird die Tragweite dieser Krankheiten für den einzelnen Alternden, aber auch für die Gesundheitsdienste, die Einrichtungen der Altenpflege, die Krankenkassen und insbesondere für die betroffenen Familien deutlich, die in 80 Prozent der Fälle die Pflege der erkrankten Angehörigen übernehmen.

Wann besteht der Verdacht auf eine Demenzerkrankung?
Tritt bei einem Menschen im Erwachsenenalter ein Rückgang oder gar ein Verlust seiner “geistigen Fähigkeiten” auf, so besteht der Verdacht auf eine Demenzerkrankung. Unter Rückgang der geistigen Fähigkeiten werden ein gestörtes Kurz- und Langzeitgedächtnis, die Beeinträchtigung des abstrakten Denkens und des Urteilsvermögens, Störungen der Sprache und die Unfähigkeit, früher beherrschte Bewegungsabläufe durchzuführen, verstanden. Beispielsweise Knöpfe öffnen oder Gegenstände, etwa einen Kamm oder einen Schlüssel, wieder zu erkennen oder deren Funktion zu beschreiben.

Einteilung des Schweregrades (Im Vordergrund steht das “Vergessen”)

Beeinträchtigungen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses treten immer als Leitmerkmale der Demenzerkrankung auf. Im einzelnen werden beobachtet:
Kurzzeitgedächtnis:

Die Unfähigkeit, neue Informationen aufzunehmen:
Der Patient ist nicht in der Lage, sich an drei Gegenstände zu erinnern, die ihm fünf Minuten vorher
gezeigt worden sind.
Langzeitgedächtnis: (Auch Denken und Verhalten sind in der Regel verändert.)

Die Unfähigkeit, sich an Daten zu erinnern, die früher gewusst wurden: Der Patient vergisst seine persönlichen Lebensdaten, wie Geburtsort oder Beruf, oder er kann Dinge des Allgemeinwissens nicht mehr benennen. Mindestens eines der folgenden Merkmale tritt in der Regel zusätzlich auf:
·
Beeinträchtigung des abstrakten Denkens. Unfähigkeit, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen verwandten Begriffen herauszufinden (Blatt - Tulpe - Blume - Rose - Spross - Schloss).
Schwierigkeit oder Unfähigkeit, die Bedeutung von Worten und Begriffen zu erklären. Der Begriff “Urlaub” kann zum Beispiel nicht erklärt werden.
·
Beeinträchtigung des Urteilsvermögens:
Unfähigkeit, persönliche, familiäre und arbeitsbezogene Probleme vernünftig zu lösen.
·
Beeinträchtigung der Sprache und der Fähigkeit, Gegenstände zu benennen.
Unfähigkeit, einfache Bewegungsabläufe durchzuführen (beispielsweise Binden eines Schnürsenkels).
·
Beeinträchtigung beim Lösen so genannter “konstruktiver” Aufgaben.
Unfähigkeit, räumliche Figuren nachzuzeichnen oder Streichhölzer zu Figuren zusammenzulegen.
·
Persönlichkeitsveränderungen des Patienten mit Verlust oder Verstärkung früherer Wesenszüge, zum
Beispiel Hervortreten einer früher unterschwelligen Aggressivität.
Für die Diagnose einer Demenzerkrankung ist es zudem entscheidend, ob die beobachteten Störungen zu Beeinträchtigungen der Arbeit im Alltag oder in der Beziehung zu anderen Menschen führen.
Der Schweregrad von Demenzerkrankungen wird in drei Stufen eingeteilt und berücksichtigt die Pflegebedürftigkeit der Patienten:
· leicht - trotz Beeinträchtigung der oben genannten Fähigkeiten ist der Patient in der Lage,
unabhängig zu leben. Sein Urteilsvermögen ist intakt.
· mittel - eine selbstständige Lebensführung ist eingeschränkt möglich. Ein gewisses Maß
an Aufsicht ist notwendig.
· schwer - eine kontinuierliche Aufsicht ist unerlässlich, um unter anderem die persönliche
Hygiene aufrechtzuerhalten. Der Patienten hat kein Zeitgefühl mehr und er verläuft sich
leicht. Er findet die Toilette oder sein Zimmer nicht wieder.

Welche Ursachen können eine Demenzerkrankung auslösen?

Die bisher beschriebenen Krankheitsmerkmale können bei allen Demenzerkrankungen auftreten. Dennoch handelt es sich nicht um ein einheitliches Krankheitsbild.

Man unterscheidet heute vier Hauptformen von Demenzerkrankungen. Bei 50 Prozent aller Fälle handelt es sich um die Alzheimer-Krankheit. Deren genaue Ursache konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Etwa 10 Prozent der Erkrankungsfälle sind durch Schäden an den Blutgefäßen des Gehirns verursacht. Durch eine Verengung des Gefäßdurchmessers, zum Beispiel wegen Cholesterinablagerungen oder entzün-
dungsbedingter Gefäßwandverdickungen, entsteht eine Mangeldurchblutung des Gehirns. Die in den betroffenen Bereichen liegenden Nervenzellen sterben entweder ab oder werden zumindest stark geschädigt.

Abhängig von der Schwere und der Lokalisation der Erkrankung kann ein Schlaganfall mit Halbseitenlähmung und/oder Sprachverlust die Folge sein. Auch vorübergehende Lähmungserscheinungen an den Gliedmaßen, eventuell mit Sprachstörungen, können eintreten. Bei leichten Erkrankungsfällen können sich alle diese Symptome wieder zurückbilden.

Wird die Mangelversorgung des Gehirns durch entsprechende Behandlungsmaßnahmen nicht verbessert oder bleibt die Behandlung erfolglos, so können mehrere solcher Schlaganfälle oder Schlaganfall-ähnliche
Ereignisse zu Hirngewebeschäden führen. Das Gehirn verliert immer mehr seine Funktion und die geistige Leistungsfähigkeit des Patienten wird weiter beeinträchtigt.

Mischformen der gefäßbedingten Demenzerkrankung mit der des Alzheimer-Typs kommen in etwa 10 bis 25 Prozent der Fälle vor.

Die Alzheimer-Krankheit, bei der die Ursache noch unbekannt ist, spricht auf eine Behandlung nur schwer an. Der Verlauf der durch Gefäßschäden verursachten Erkrankungen ist jedoch über eine vorbeugende
Behandlung, wie Bluthochdruck, Blutzucker- und Blutfetterhöhungen sowie durch Maßnahmen, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern, häufig günstig zu beeinflussen.

Auch bei den beschriebenen Mischformen lassen sich damit merkliche Verbesserungen im Krankheitsverlauf erzielen.

Weitere 10 Prozent der Demenzerkrankungen sind auf andere Krankheiten zurückzuführen, bei denen Hirnleistungsstörungen zusätzlich beobachtet werden können. Durch eine angemessene Behandlung der jeweiligen Grundkrankheit können diese Störungen entweder vollständig beseitigt oder in vielen Fällen entscheidend gebessert werden.

Erkrankungen mit einem Risiko für Hirnleistungsstörungen

- Herz-Kreislauferkrankungen (Herzschwäche, Herzinfarkt)
- Blutkrankheiten (Anämien)
- chronische Lungenfunktionsstörungen
- Stoffwechselkrankheiten und Vitaminmangelzustände (Diabetes mellitus,
Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, B1-, B2-, B12-Vitaminmangel, Folsäure-
und Nikotinsäuremangel)
- Vergiftungen (durch Alkoholismus, Rauschdrogen, Medikamente)
- lnfektionskrankheiten (Hirnhautentzündung, AIDS)
- Autoimmunerkrankungen (Multiple Sklerose)
- gut- und bösartige Geschwülste
- Unfallverletzungen mit Schädelbeteiligung (Hirnquetschungen, Hirnblutungen)
- Krampfanfallsleiden (Epilepsie)
- psychische Krankheiten (Depressionen)

Tabelle 1: Hirnleistungsstörungen als Folge anderer Erkrankungen.

Vor der Diagnose einer als weitgehend unbehandelbar geltenden Demenzerkrankung ist es außerordentlich wichtig, alle möglichen Erkrankungsursachen auszuschließen, in deren Folge Hirnleistungsstörungen auftreten können.

Die gezielte Behandlung einer möglicherweise erfolgreich therapierbaren Grunderkrankung kann den Patienten vor jahrelangem Siechtum bewahren. Deshalb sind zusätzliche diagnostische Maßnahmen durchaus vertretbar, auch wenn sie den Kranken im Einzelfall belasten mögen (zum Beispiel Röntgen- oder Nervenwasseruntersuchung).

Wichtige Fragen zum besseren Verständnis für Angehörige!

Kapitel 1. Die wichtigste Frage:
Bis zu welcher Grenze wollen Sie die Betreuung des Kranken wirklich übernehmen?

Die Alzheimer-Krankheit begleitet den Erkrankten bis an sein Lebensende: manchmal einige wenige Jahre, manchmal aber auch zehn Jahre oder länger. lm schlimmsten Fall macht die Krankheit aus einem Erwachsenen einen völlig hilflosen Menschen, der nicht mehr stehen oder sitzen kann, dessen natürlicher Tag-Nacht-Rhythmus gestört ist und der reagiert wie ein 1-2jähriges Kind.

Ganz davon abgesehen, daß in manchen Fällen zu Hause die technischen Voraussetzungen dazu fehlen, ist es keinem Menschen möglich, die für die Betreuung eines solchen Kranken erforderliche körperliche und seelische Kraft jederzeit und unbegrenzt aufzubringen.

Betreuung in vertrauter Umgebung

Die Erfahrung zeigt, daß sich die häusliche Pflege eines Alzheimer-Patienten durch ihm vertraute Menschen in seiner vertrauten Umgebung ausgesprochen positiv auswirkt, solange sich seine Betreuer dieser Aufgabe gewachsen fühlen. Sobald die Betreuer sich überfordert fühlen und dem Kranken widerwillig, hektisch, gereizt oder aggressiv begegnen, wirkt sich dies negativ auf die Krankheit aus. (Über die Gründe hierfür reden wir im nächsten Kapitel.)

Daher ist es sowohl für Sie selbst als auch für den Kranken wichtig, daß Sie sich jetzt und immer wieder eine ehrliche Antwort auf die Frage geben: Fühlen Sie sich körperlich und seelisch in der Lage, den Kranken zu betreuen?

Weil man nicht weiß, wie sich die Krankheit im Einzelfall entwickelt und von welchem Zeitpunkt an welche Pflege erforderlich wird, weil also kein Betreuer vorab wissen kann, was auf ihn konkret zukommt, ist auch kein Mensch in der Lage, die obige Frage ein für allemal zu beantworten. Stellen Sie sich diese Frage daher immer im Hinblick auf die nächsten Wochen und Monate: Können Sie sich vorstellen, in den nächsten Wochen und Monaten den Kranken mit derselben lntensität zu betreuen wie bisher, eventuell noch ein bißchen intensiver?

Wenn die Betreuung zu Hause nicht möglich ist

Machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn Sie diese Frage jetzt oder später einmal mit Nein beantworten müssen. Bedenken Sie dabei auch, ob die Wohnung oder das Haus, in dem der Kranke lebt, noch alle technischen Voraussetzungen bietet, die wünschenswert oder erforderlich wären, um den Kranken gut versorgen zu können.

Wenn Sie eines Tages zu dem Schluß kommen sollten, daß Sie den Kranken nicht mehr so betreuen und pflegen können,  wie es lhres Erachtens notwendig wäre, dann dient lhre Aufrichtigkeit dem Kranken. Ziehen Sie zunächst in Betracht, die Hilfe der freien oder kirchlichen Wohlfahrtsverbände in Anspruch zu nehmen. Das speziell ausgebildete Personal z.B. der Sozialstationen kann Sie wesentlich entlasten.

Kapitel 2. Verständnis als wichtige Voraussetzung:
Die vielleicht wichtigste Voraussetzung für die Betreuung des Kranken: Verständnis dafür, daß er in einer anderen Welt lebt.

Die Alzheimer-Krankheit läßt den Kranken in einer Welt versinken, in der die meisten Dinge und Ereignisse des Alltags eine völlig andere Bedeutung gewinnen können als in der Welt der Gesunden.

Sich voll und ganz in die Situation eines anderen hineinzuversetzen ist sehr schwierig, manchmal so gut wie unmöglich. Und doch kommt es bei der Betreuung eines Alzheimer-Kranken in einem ganz besonderen Maße darauf an, dies immer wieder zu versuchen.


Probleme durch falsche Maßstäbe

Wir haben nämlich den Eindruck gewonnen, daß viele der typischen Probleme, über die Angehörige im Umgang mit einem Alzheimer-Kranken berichten, ihren Grund darin haben, daß die Angehörigen das Verhalten und die Reaktionen des Kranken mit den Maßstäben der Gesunden messen und sich selbst dann dementsprechend so verhalten, wie sie dies gegenüber einem x-beliebigen anderen Menschen täten.

Wer sich in die Welt des Alzheimer-Kranken hineinzuversetzen versucht, wird dagegen ein neues Verhalten entwickeln können, das sowohl dem Kranken als auch dem Betreuer das Leben wesentlich erleichtert. Da der Kranke die Welt nicht mehr so differenziert wahrnimmt wie ein Gesunder, kann der Versuch, sich in seine Welt hineinzuversetzen, durchaus gelingen. Die folgenden Gedanken sollen lhnen dabei helfen.

Die Situation des Kranken

Nehmen Sie sich bitte einmal einige Minuten Zeit, um sich vorzustellen, wie es wäre, wenn Sie selbst plötzlich unter den Folgen der Alzheimer-Krankheit zu leiden hätten: lhr Gedächtnis setzt aus; beim Denken empfinden Sie regelrechte Löcher; es gelingt lhnen eventuell nur noch mit Mühe, sich anderen mitzuteilen, weil Sie immer wieder vergeblich nach Wörtern suchen, die spurlos aus lhrem Sprachschatz verschwunden sind, und schließlich verlaufen Sie sich von Zeit zu Zeit, weil Sie völlig die Orientierung verloren haben. Die Meinung, daß Alzheimer-Kranke sich ihrer eigenen Defizite nicht bewußt sind, weil ihr Gehirn in den jeweiligen Situationen aussetzt, klingt zwar plausibel und ist deswegen vielleicht auch weit verbreitet, trifft aber nach unseren Erfahrungen zumindest in vielen Fällen nicht zu.

Die Defizite sind bewußt

Ungefähr so, wie wir wissen, daß wir geschlafen haben, wenn wir aufwachen, spüren viele Alzheimer-Kranke ihre Defizite sehr genau. Damit werden diese Defizite zum bewußten Handicap, unter dem der Kranke sehr leidet und dessen Folgen er fürchtet. So manches Mal müssen wir die Ursache der depressiven Grundstimmung eines Alzheimer-Patienten gar nicht so sehr in der Krankheit selbst suchen, sondern im Bewußtsein der eigenen Defizite und Handicaps. lst es unter diesen Umständen nicht verständlich, daß viele Alzheimer-Kranke Situationen, in denen sie eventuell mit ihren Defiziten konfrontiert würden, systematisch aus dem Wege gehen?

Das Problem des Vermeidungsverhaltens

Wir kennen dieses Verhalten übrigens auch bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel der Herzschwäche. Gefühlsmäßig vermeiden viele Herzkranke Situationen, in denen ihnen selbst und eventuell anderen deutlich werden müßte, daß mit ihrem Herzen etwas nicht stimmt. Menschen in der Umgebung des Herzkranken wundern sich, daß er liebgewonnene alte Gewohnheiten scheinbar grundlos aufgibt und sich manchmal merkwürdig erscheinende neue Verhaltensweisen zulegt, die die Umgebung nur als ,,Marotten" verstehen kann. Unverständlich erscheinende neue Verhaltensweisen können immer Ausdruck eines Vermeidungsverhaltens sein, das dem Kranken häufig gar nicht bewußt ist; dies gilt auch für Alzheimer-Kranke.

Ein Beispiel

Die Familie eines Alzheimer-Patienten hat uns beispielsweise berichtet, daß der Vater sich von einem bestimmten Zeitpunkt an beharrlich weigerte, den traditionellen sonntäglichen Gang zur Kirche gemeinsam mit der Familie anzutreten; er bestand darauf, allein zu gehen. Ein langer Ehekrieg war die Folge. Erst viel später begriff die Familie: Der Vater mußte damit rechnen, daß er sich an die Namen vieler Leute, denen er begegnete, nicht mehr erinnerte. Er wollte diesen Leuten aus dem Weg gehen können bzw. zumindest vermeiden, daß seine Familie etwas davon bemerkte. Lieber ließ er sich Eigenbrötler schimpfen
und nahm den Ehekrieg von Samstag bis Montag in Kauf.

Stellen Sie sich daher immer wieder die Frage: Sind zunächst unverständlich erscheinende Verhaltensweisen eines Alzheimer-Kranken vielleicht gar keine neue ,,Marotte", geschehen sie vielleicht gar nicht aus Trotz, Dickköpfigkeit oder Starrsinn, und sind sie vielleicht gar nicht aggressiv gegen Sie oder andere gerichtet, sondern sind diese Verhaltensweisen eventuell Vermeidungsstrategien ?

Die Not Demenzerkrankter verstehen

Stell dir vor, man setzt dich mutterseelenallein in einer chinesischen Kleinstadt aus, wo du weder die Sprache kennst noch irgendetwas lesen kannst. Überall stösst du auf völlig unverständliche Gebräuche wie das Essen mit Stäbchen. Und was das schlimmste ist: Ständig triffst du auf Menschen, die auf dich einreden, dabei so tun, als ob sie dich schon lange kennen würden und von dir erwarten, dass du über sämtliche Dinge Bescheid weisst.

Auch die Kranken der Wirklichkeit spüren oft, was sie eigentlich können sollten. Dass es ihnen gleichwohl nicht gelingt, schafft Angst und grossen Ärger - über sich und über die fordernden Mitmenschen.

Ratschläge:

Folgende Ratschläge können helfen, einen entspannteren Umgang mit dem Patienten zu haben:

Klare Anweisungen in einfachen, kurzen Sätzen geben.

 

Ein fürsorglicher, aber zugleich bestimmter und deutlicher Umgangston sollte angestrebt werden.

 

Wichtige Informationen bei Bedarf wiederholen, notfalls mehrmals.

 

Konkrete Angaben wie Zeit, Datum, Ort und Namen bieten Erinnerungshilfen.

 

Geduldig sein mit dem Kranken und ihm Zeit (Minuten, nicht Sekunden) für eine Reaktion oder Entgegnung geben.

 

Verständnisvoll sein - auch wenn es mitunter schwer fällt.

 

Sinnlose Diskussionen sollten vermieden werden. Statt auf der eigenen Meinung zu bestehen, sollte der Kranke abgelenkt werden oder der Betreuer sollte einlenken.

 

Anschuldigungen und Vorwürfe besser überhören.

 

Für Beständigkeit und Routine im Tagesablauf des Erkrankten sorgen.

 

Einfache Regeln und feste Gewohnheiten sind für alle älteren Menschen sehr hilfreich - ganz besonders jedoch für Demenzkranke.

 

Der Leistungsmasstab, der für Gesunde gilt, kann bei Dementen nicht angewendet werden.

 

Loben bringt mehr als Kritisieren. Das kann man auch bei richtigem Reagieren des Kranken durch Worte, Berühren oder Lächeln ausdrücken.

 

 

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"Vergessen"

"Leben mit Demenz"

"Rechte"

"Schmerzen und Demenz?"